RTL Sucht und Filmpool ist aktuell der Name der Firma die Laiendarsteller für Scripted-Reality-Formate und Casting für RTL betreiben. Es ist unglaublich, dass daran so viele Leute freiwillig teilnehmen und gern eine Bewerbung bei RTL2 abgeben.

Ein bisschen unsicher steht die kleine Vera vor der Filmkamera beim RTL Casting. Um ihren Bauch hängt ein Schild aus Pappe, auf dem mit Edding ihre Kundennummer aufgeschrieben wurde.

„Ich heiße Vera, bin 22 Jahre alt und komme aus Duisburg und will Model werden“, sagt sie und lässt das Schild fallen. Dann dreht sie sich ins Profil.

Die Szene weißt auf eine erkennungsdienstliche Behandlung bei der Polizei hin. Doch die hübsche aber tätowierte Vera muss nicht in den Knast. Sie ist freiwillig ins Novotel-Hotel nach Köln gekommen um sich bei RTL zu bewerben. Mit der RTL Bewerbung will sie ins Fernsehen. Den Traum teilt sie sich mit neun verschiedenen Bewerbern – beim Casting der Kölner Firma Filmpool.

Im Jahr 1974 wurde sie gegründet. Heute produziert Filmpool etwa 1600 Fernsehstunden pro Jahr. Annähernd 120.000 Laiendarsteller haben die Caster von Filmpool in ihrer Kartei.

Benutzt werden die Karrieresuchenden-Newfaces für „Scripted Reality Formate“ wie Köln 50667 (RTLII), Hilf mir! Jung, pleite, verzweifelt (RTL2), Berlin – Tag & Nacht (RTL II) oder Armes Deutschland – Stempeln oder abrackern? Auch bei RTL II. Das alles um schwierige Atmosphären vor der Kamera nachzustellen. Wird ein Komparse gebucht, muss er sich auf lange Drehtage für einen notdürftig bezahlten Job einstellen.

Teilweise 14 Stunden pro Tag stehen die Jungschauspieler vor der Kamera, an einem Tag bekommen sie 80 Euro – ein Stundenlohn von knapp 5,70 Euro. Allerdings werden den Darstellern meist Fahrt- und Hotelkosten bezahlt auch wenn sie nachts im eigenen Auto schlafen. „Das ist reiner Stress. Um eine 45-Minuten-Sendung zu produzieren hat man bis 4 Tage Zeit, aber die Bezahlung für die geleistete Arbeit steht in keinem Verhältnis, das ist besorgniserregend“, sagt die 27-jährige Anne Schmitz aus Berlin, die vor einem Jahr für ein Script Reality Format vor der Kamera stand und jetzt ihre nächste TV Bewerbung einreicht. Die kleine Chance auf einen großen Durchbruch und die noch kleiner Entlohnung halten Vera und viele anderen Casting-Teilnehmer nicht davon ab, den Versuch in die Nachmittagssendungen zu riskieren.

Aber bevor Vera „mitmachen“ darf, steht erst mal ihr Privatleben auf dem Programm. „Vera, was geht bei dir ab? Was kannst du so?“, fragt sie ein umtriebiger dunkler Casting-Direktor im Holzfällerhemd, der die Fähigkeit besitzt, seine Erscheinung auf die Casting-Bewerber auszurichten.

„Alles prima. Wie es im Leben halt ist mal besser mal schlechter“, sagt Vera. Früher habe sie in einer Bäckerei gearbeitet. Jetzt versuche sie sich an einer Karriere als Fotomodel. „In Kürze will ich mein erstes Fotoshooting absolvieren bei „be a model“ absolvieren. Es läuft gerade erst an, aber es wird was“, berichtet sie. Der zentrale Punkt ihres Lebens sei jedoch ihre dreijährige Tochter. „Du bist aber schnell Mutter Vater geworden! Habt ihr da nicht aufgepasst?“, fragt die dauerhaft fröhlich-freche Casting-Assistentin, die alle Angaben in ein Notebook tippt. „Das mit meiner Tochter ist halt passiert. Dummerweise ist die Beziehung im Eimer, aber meine Mutter unterstützt mich jetzt“, erzählt Vera in die Runde.

Im Zusammenwirken mit der Casting Agentur geht es darum, diverse Facetten an Aufregungen zu produzieren und zu zeigen, wie es im Vademekum heißt, den jede Bewerberin zu Beginn ausgehändigt bekommt. Hierzu gibt es eine kleine Beschreibung der Drehszene. Im Grunde könne man nichts Dummes erzählen. Wichtig ist das man seinen Wortschatz benutzt, seine Emotionen und sich nicht versucht zu verstellen.

Man soll so sein, wie man ist und wie man im „wirklichen Leben“ agiert empfehlen auch Produktionsfirmen wie Jim Anderson Productions, bei denen man sich ebenfalls bewerben und anmelden kann und mit Glück einen persönlichen Casting Termin ergattern kann. Es werden keine Schauspieler gesucht, sondern Persönlichkeiten mit dem Eifer zur maximalen Emotion bei zunächst geringfügiger Vergütung. Es ist eine gute Einstiegschance, denn das Publikum und die Einschaltquoten entscheiden letztlich über den Erfolg den man haben kann.

Comments (2)

  1. Franzi

    Antworten

    Guten Morgen an alle,
    ich hab auch vom Casting am nächsten Sonntag 18.00 Uhr einladung gekriegt.
    Ich war selbst schon bei mehreren Castings u hab bis jetzt ausser bei Filmpool nur schlechte Erfahrungen gemacht.

  2. Milan

    Antworten

    Ich war bei einem Casting letzen Montag und die Frau war ganz nett hat mich begrüsst und viele Fragen gestellt. MEine Gruppe war die F62 und alle waren besonders nett , eine sah so aus wie ich!

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